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Dreißig Jahre seit dem Fall der Berliner Mauer

Ambasadorica Margret Uebber / Botschafterin Margret Uebber

Ambasadorica Margret Uebber / Botschafterin Margret Uebber, © J. Agović/Deutsche Botschaft Sarajewo

09.11.2019 - Artikel

Namensartikel der Botschafterin Margret Uebber

Am Tag, als in Berlin vor 30 Jahren die Mauer fiel, war ich am anderen Ende der Welt, in meinem Büro an der Botschaft in Bangkok. Plötzlich öffnete mein damaliger Botschafter die Tür und berichtete aufgeregt von den Ereignissen in unserer Heimat. Ich gehörte damals zur großen Mehrheit der Deutschen, die einfach nicht glauben konnte, was da geschah. Das konnte ich erst, als ich abends im thailändischen Fernsehen die Bilder von jubelnden, zu Tränen gerührten Menschen sah, die einander hinter der Mauer in Westberlin in die Arme fielen. 

Heute wohne ich in meiner Berliner Wohnung nur 300 Meter entfernt von der alten Grenze an der Bernauer Straße. Sie gilt als Symbol der deutschen Teilung, denn sie wurde durch die Mauer regelrecht zerrissen: als die Mauer 1961 errichtet wurde, lag die Häuserfront der Straße im Osten, der Bürgersteig im Westen. Dazwischen lag der Todesstreifen – ein mit Stacheldraht und Minen bestücktes Feldstück, das jegliche Flucht von Ost nach West verhindern sollte. Inzwischen sind hier neue Wohnhäuser entstanden, die Stadtviertel konnten wieder zusammenwachsen. Mit einer viel besuchten Gedenkstätte bleibt die Bernauer Straße dennoch ein bedeutender Erinnerungsort an die deutsche Teilung. Mich fasziniert es immer wieder, mir hier vor Augen zu führen, mit wieviel Mut sich die Bürger der DDR damals ihre Freiheit erkämpften.

Beeindruckend ist auch die Zuversicht, mit der die Menschen damals in die Zukunft blickten. Das Ziel war ein geeintes Deutschland, verankert in einem geeinten Europa. Für uns war dabei immer klar, dass ein geeintes Europa auch unsere Nachbarn in Mittel- und Osteuropa umfassen muss. Auch Bosnien und Herzegowina hat sich auf den Weg der EU-Annäherung begeben. Ich freue mich, dass die klare Mehrheit der Bürger dieses Landes seine Zukunft in der EU sieht.

Es hat hier und auf dem gesamten Westbalkan sicher viele Menschen enttäuscht, dass der letzte Europäische Rat trotz der deutlichen Mehrheit für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien keine positive Entscheidung treffen konnte. Auch Deutschland bedauert dies. Deshalb ist es mir wichtig, noch einmal zu unterstreichen, dass Deutschland weiterhin klar zur EU-Beitrittsperspektive für den Westbalkan steht. Das gilt auch für Bosnien und Herzegowina. Aus unserer Sicht sollte das Land den eingeschlagenen Weg unbedingt fortsetzen und weitere Reformen durchführen. Die Reformen sind nicht nur Mittel zur Annäherung an die EU, die kommen schließlich den Menschen hier direkt zu Gute. Ich kann Ihnen versichern, dass Deutschland Sie und Ihr Land auf diesem Weg auch in Zukunft tatkräftig unterstützen wird.

Für uns Deutsche ist der November stets ein Monat der Erinnerung. In diesem Jubiläumsjahr möchten wir diese Erinnerungen mit den Bürgern Bosnien und Herzegowinas teilen. Deshalb zeigen wir in den kommenden vier Wochen jeden Dienstag Filme, die sich mit Teilung und Wiedervereinigung befassen. Am 21. November laden wir außerdem zu einer Diskussion zum Mauerfall ein. Dafür wird Herr Markus Meckel anreisen, der nach dem Mauerfall der letzte Außenminister der DDR war. Er wird uns als Zeitzeuge davon berichten können, wieviel Kraft von Menschen ausgeht, die sich für ihre Ziele einsetzen und ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Das ist für mich die Botschaft der friedlichen Revolution, die noch heute gilt. 

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