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Zwischen Gedenken und dem Fokus auf der Zukunft

Deutsch-Französische Freundschaft

Botschafterin Uebber mit ihrer französischen Amtskollegin Toudic, © dt. Botschaft Sarajewo

22.01.2021 - Artikel

Besuch von Botschafterin Uebber mit ihrer französischen Amtskollegin im War Childhood Museum am 22.01.2021

Zwischen Gedenken und dem Fokus auf der Zukunft

Heute werden die deutsche und die französische Botschafterin zusammen das War Childhood Museum in Sarajewo besichtigen, das beide Länder in der Vergangenheit bereits gefördert haben. Der Gründer des Museums, Jasminko Halilovic, sagte  „im Krieg aufzuwachsen ist komplex […] und eine universelle Erfahrung“. Diese Aussage können Generationen von Franzosen und Deutschen bestätigen, die unter dem immensen Elend litten, welches die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern in den Jahren zwischen 1870 und 1945 über sie gebracht hatten. Wie das Museum auf beeindruckende Weise zeigt, gibt es in einem Krieg keine Gewinner und das Leid der Menschen, vor allem das der Kinder, ist universell. Dieser gemeinsame Besuch zeigt wieder einmal, dass Deutschland und Frankreich die richtige Richtung wählten – einen Fokus auf die Zukunft – als sie sich entschieden den Élysée-Vertrag am 22. Januar 1963 zu unterschreiben.

Als der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle die Entscheidung trafen, den Vertrag zu schließen, taten sie dies mit dem Ziel die Kooperation zwischen ihren beiden Ländern zu stärken, was aber nicht nur Deutschland und Frankreich nutzen sollte, sondern auch Europa. Knapp 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war dies eine mutige Entscheidung der beiden Staatsoberhäupter. Die beiden ehemaligen Feinde machten so einen großen Schritt vorwärts in Richtung Aussöhnung und Kooperation. Damit legten sie den Grundstein für die starke Beziehung, die unsere beiden Länder bis heute verbindet.

Die erhofften Vorteile einer engen Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich realisierten sich bereits kurz nachdem der Élysée Vertrag unterzeichnet wurde. Seitdem wurde die Beziehung zwischen unseren beiden Staaten nur noch stärker, unsere Wirtschaften vernetzen sich intensiver und auch unsere beiden Gesellschaften verflochten sich durch den zwischenmenschlichen Austausch immer mehr. Während der Corona-Krise zeigte sich dies wieder einmal sehr deutlich. Unsere beiden Länder standen Seite an Seite, als die Pandemie uns hart traf und wir arbeiteten intensiv zusammen, um Leben zu retten.

Dennoch ist der Élysée-Vertrag nur ein Meilenstein unserer heutigen tiefgehenden Freundschaft. Es brauchte den politischen Mut und die Weitsicht Adenauers und de Gaulles den Élysée-Vertrag zu unterschreiben. Aber es dauerte noch 21 weitere Jahre bis Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident Francois Mitterand sich schweigend in Verdun im September 1984 die Hände reichten und in Stille den gefallen Soldaten beider Seiten gedachten. Obwohl wir bereits einen langen Weg hinter uns haben, verstehen unsere beiden Länder, dass eine gute Beziehung kontinuierlicher Arbeit und Engagement bedarf. Deshalb unterschrieben Deutschland und Frankreich 2019 den Vertrag von Aachen, um sich nochmals dieser Beziehung zu verpflichten und Freundschaft und Kooperation weiter auszubauen.

Das War Childhood Museum zeigt auf eindrucksvolle Art, dass eine Erinnerungskultur wichtig ist und dass allen Opfer eines Krieges gedacht werden sollte. Frankreich und Deutschland haben gelernt, dass diese Erinnerungen als Mahnung dazu dienen sollten, den Mut zu finden, zusammen in die Zukunft zu schauen und zusammen kontinuierlich daran zu arbeiten, unsere enge Beziehung zu erhalten und weiter auszubauen.

Der politische Wille und der Mut den Élysée Vertrag vor 58 Jahren zu unterschreiben war ein Teil auf dem Weg zur Aussöhnung. Die Verpflichtung zu einer friedlichen Zukunft und die Anstrengungen der Menschen, vor allem der jungen Menschen, ist der andere Teil. Städtepartnerschaften, Partnerschaften zwischen Organisationen der Zivilgesellschaft und die Gründung des deutsch-französischen Jugendwerkes nur wenige Tage nach der Unterzeichnung des Élysée Vertrages hat ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt unsere beiden Staaten näher zueinander zu bringen. Bosnien und Herzegowina hat ein ähnliches Programm –RYCO – das sich dafür einsetzt junge Menschen der Länder des westlichen Balkans zusammenzubringen. RYCO ermutigt sie selbst aktiv zu werden und ihre gemeinsame Zukunft durch Dialog zu gestalten. Deutschland und Frankreich, zusammen mit dem deutsch-französischen Jugendwerk, werden auch weiterhin RYCO bei dieser wichtigen Mission unterstützen. Es ist wichtig junge Menschen darin zu bestärken ihre Möglichkeiten zu nutzen, selbst mutig zu sein und der anderen Seite die Hand zu reichen, um gemeinsam für eine bessere Zukunft für alle zu arbeiten.

Deutschland und Frankreich wissen, dass es Arbeit ist eine stabile und verlässliche Freundschaft aufzubauen und dass dieser Prozess Zeit braucht. Es gibt keine Blaupause wie Aussöhnung und die Definition einer gemeinsamen Zukunft aussehen muss, da dies von Land zu Land unterschiedlich ist. Deshalb muss Bosnien und Herzegowina weiter daran arbeiten seinen eigenen Weg zu finden, aber wir stehen bereit den Prozess zu unterstützen. Es braucht Mut und Anstrengungen einer Vision zu folgen. Aber wie Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 demonstrierten, der Lohn ist alle Mühen wert.

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