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Beziehungen zu Deutschland

18.12.2017 - Artikel

Stand: Oktober 2017

Politische Beziehungen

Deutschland hat mit Bosnien und Herzegowina im November 1992 diplomatische Beziehungen aufgenommen. Seither haben sich die bilateralen Beziehungen stetig positiv entwickelt. Deutschland war an den Friedensbemühungen und am Zustandekommen des Dayton-Abkommens intensiv beteiligt. Seit dem Abschluss des Abkommens hat sich Deutschland in Bosnien und Herzegowina in vielfältiger Weise engagiert, so etwa im Lenkungsausschuss des Dayton-Friedensimplementierungsrats (PIC-SB), bei Geberkonferenzen und im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sowie - bis 2012 - durch deutsche Kontingente bei der EU-Militärmission EUFOR ALTHEA sowie der 2012 beendeten Polizeimission der EU (EUPM). Die Hilfseinsätze zur Bewältigung der schweren Flutkatastrophe im Mai 2014 unterstützte Deutschland finanziell und durch die Entsendung von Personal. Zudem unterstützt Deutschland seit vielen Jahren Projekte zur Konfliktprävention mit Mitteln des Stabilitätspakts für Südosteuropa.

Im November 2014 startete Deutschland, gemeinsam mit Großbritannien, eine Initiative zur Wiederbelebung des lange stagnierenden Reformprozesses. Damit Bosnien und Herzegowina seine umfassende Reformagenda 2015-2018 noch besser umsetzen kann, unterstützt Deutschland seit 2016 eine Refokussierung der Reformagenda auf die Kernthemen Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung. Beides hat dazu beigetragen, den wirtschaftlichen und sozialen Reformprozess wiederzubeleben und das Land auf seinem Weg der EU-Annäherung voran zu bringen. Das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU trat am 01.06.2015 in Kraft, am 15.02.2016 überreichte Bosnien und Herzegowina seinen EU-Beitrittsantrag, der gegenwärtig durch die EU-Kommission geprüft wird.

Die Konrad-Adenauer-, die Friedrich-Ebert- und die Heinrich-Böll-Stiftung unterhalten in Sarajewo eigene Büros, die Friedrich-Naumann-Stiftung unterhält ebenfalls eine Präsenz.

Wirtschaftsbeziehungen

Bereits in jugoslawischer Zeit gab es Gemeinschaftsunternehmen und Kooperationsbeziehungen (Automobilindustrie, Metallverarbeitung, Textilindustrie/ Lohnveredelung, Stahl und chemische Industrie) mit deutschen Partnern. Nach dem Daytoner Friedensabkommen hat Deutschland eine Vorreiterrolle übernommen bei Investitionen in der produzierenden Industrie von Bosnien und Herzegowina. Investitionen und Handel konzentrieren sich vor allem auf die Bereiche Automobilzulieferindustrie, Bauindustrie/ Zement, Rohstoffverarbeitung/ Aluminium und regionale Milchwirtschaft.

Der Warenaustausch zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina ist in den letzten Jahren gestiegen. Deutschland ist für Bosnien und Herzegowina wichtigster Handelspartner. Ein bilateraler Investitionsförderungs- und -schutzvertrag ist am 11. November 2007 in Kraft getreten. Es gilt weiterhin das Doppelbesteuerungsabkommen aus dem Jahr 1988. In Sarajewo besteht ein Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft. Daneben wurde im Sommer 2007 ein deutsch-bosnisch-herzegowinischer Wirtschaftsverein gegründet, der über 130 Mitgliedsunternehmen zählt.

Deutschland gehört zu den wichtigsten bilateralen Gebern im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Die KfW Entwicklungsbank und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fördern im Auftrag der Bundesregierung eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Infrastrukturmaßnahmen, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, daneben aber auch Demokratie und Zivilgesellschaft.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina sind aufgrund der geographischen Nähe und intensiver historischer, kultureller und persönlicher Beziehungen eng. Die Erfahrungen der Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien und der ca. 300.000 aus Deutschland zurückgekehrten Bürgerkriegsflüchtlinge haben zur Festigung des positiven Deutschlandbildes beigetragen; das Interesse an deutscher Sprache und Kultur ist groß. Zur Förderung der Zusammenarbeit wurde ein Kulturabkommen unterzeichnet, das am 4. Januar 2006 in Kraft getreten ist.

Es gibt zwei Lektorinnen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), und zwar an den Universitäten in Sarajewo und Banja Luka. Hinzu kommen zeitweise Gastdozenten aus Deutschland. Seit September 2013 unterhält der DAAD in Sarajewo ein Informationsbüro. Das Interesse an Studienaufenthalten in Deutschland (v.a. auch an Stipendien) ist anhaltend hoch. Für das Jahr 2017 wurden 54 Stipendien an bosnisch-herzegowinische Studenten / Akademiker vergeben. 

Der Hochschulrektorenkonferenz sind derzeit 28 Partnerschaften deutscher Hochschulen mit Einrichtungen in Bosnien und Herzegowina bekannt.

Im Rahmen des Lehrerentsendeprogramms sind ein Fachberater (Sarajewo) sowie ein Fachschaftsberater (Banja Luka) im Auftrag der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) tätig.

Sieben sogenannte FIT-Schulen in Bosnien und Herzegowina wurden im Herbst 2008 als Partnerschulen des Goethe-Instituts im Rahmen der Initiative „Schulen – Partner der Zukunft“ (PASCH) ausgewählt. Daneben betreut die ZfA im Rahmen der PASCH-Initiative derzeit 15 Schulen, an denen das Deutsche Sprachdiplom (DSD) erworben werden kann. Die Anträge weiterer Schulen werden zur Zeit geprüft. Deutsch wird an vielen Schulen des Landes nach Englisch als zweite Fremdsprache unterrichtet und steht dabei in Konkurrenz zu Russisch (in der Republika Srpska) sowie zunehmend zu türkischem Sprachunterricht, welcher sehr stark beworben wird . Die zweite Fremdsprache wird an vielen Schulen nur mit zwei Wochenstunden unterrichtet, was den Erwerb eines Deutschen Sprachdiploms erschwert. Am Obala-Gymnasium in Sarajewo wurde zum Schuljahr 2015/2016 ein deutscher Zweig eingeführt, an dem auch Biologie und Mathematik in deutscher Sprache unterrichtet werden.

Das Goethe-Institut in Sarajewo ist landesweit mit Kulturprogrammen sowie in der Bildungs- und Bibliothekskooperation aktiv. Seine Räumlichkeiten umfassen auch ein Informationszentrum. Das Goethe-Institut betreut deutsche Lesesäle in Sarajewo und Banja Luka und unterhält Lehrmittelzentren in Sarajewo, Banja Luka, Mostar, Bihać und Tuzla. Am Goethe-Institut in Sarajewo haben 2016 insgesamt 3.598 Kursteilnehmer Deutsch gelernt, diese Zahl bleibt für 2017 etwa stabil. Allerdings sieht sich inzwischen das Goethe-Institut v.a. in Bezug auf die Zahl der Prüfungsteilnehmer durch das im Dezember 2016 in Sarajewo eröffnete Österreich-Institut unter Druck (ÖSD-Prüfungen). 

Medien

Das Interesse an deutschsprachigen Medien ist in Bosnien und Herzegowina sehr ausgeprägt. Mehrere deutschsprachige TV-Sender können über das Kabelnetz landesweit empfangen werden. Deutsche Printmedien sind in den größeren Städten partiell erhältlich.

Die Deutsche Welle hat Rebroadcastingverträge mit lokalen und überregionalen Radiostationen sowie den größeren Kabelnetzbetreibern im Land abgeschlossen. Darüber hinaus übernehmen diverse Onlineportale und einige der hiesigen Tageszeitungen Meldungen der Deutschen Welle. Beiträge, hauptsächlich mit regionalem Bezug, werden regelmäßig in den bosnisch-herzegowinischen Printmedien abgedruckt.

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